Sind Periodenschmerzen normal? 3 Fakten, die du unbedingt wissen solltest
In diesem Artikel erfährst du:
Periodenschmerzen wurden historisch oft verharmlost: In der Antike galt der weibliche Körper als „weniger vollkommen“, später wurden Beschwerden religiös gedeutet. So entstand ein Irrglaube, der sich bis heute hält.
Viele Betroffene hören noch immer, dass starke Periodenschmerzen „normal“ seien – besonders Menschen mit Endometriose berichten häufig davon.
Rund 70 % der Frauen in Deutschland haben Periodenschmerzen. Häufigkeit bedeutet jedoch nicht automatisch, dass starke Schmerzen normal sind.
Eine Schmerzskala von 0 bis 10 kann helfen, die Intensität der Beschwerden besser einzuordnen und Arztgespräche vorzubereiten. Hier erfährst du, wie du die Skala am effektivsten nutzt, inklusive gratis Download.
Regelmäßige starke Schmerzen und bestimmte Warnsignale sollten ärztlich abgeklärt werden. Welche dazugehören, liest du hier.
Mögliche Ursachen können erhöhte Prostaglandine oder verschiedene Erkrankungen sein. Erfahre hier, welche das sind.
Fakt 1: Periodenschmerzen sind NICHT normal
Hast du dich auch schon mal gefragt: sind Periodenschmerzen normal? Laut einer AOK-Studie denkt rund ein Drittel der Frauen in Deutschland, dass starke Periodenschmerzen normal sind.
Diesen Mythos will ich aus der Welt räumen – Periodenschmerzen sind nicht normal! Doch warum ist dieser Gedanke so verbreitet?
Der Glaube, dass starke Periodenschmerzen normal sind, ist kein Zufall – er ist historisch gereift.
Die Menstruation ist seit über 2000 Jahren ein Tabu- und Schamthema. Schon in der griechischen Antike beschrieb der Arzt Hippokrates von der sonnigen Insel Kos die Menstruation als Abfallprodukt.
Er und andere bärtige Philosophen, die sich in den schattigen Vorhallen der prunkvollen Akademien in Athen trafen – ohne Frauen versteht sich – kamen zu dem Schluss: die Monatsblutung ist eine Art “Aderlass der Natur”, um den weiblichen Körper von überschüssigen, schlechten Flüssigkeiten zu reinigen.
Schmerzen, Schwäche oder emotionale Veränderungen galten dabei nicht als behandlungsbedürftig, sondern als Ausdruck der „Natur“ des weiblichen Körpers. Und der war – so die hochverehrten Denker der Antike – ohnehin weniger vollkommen als der männliche.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde die Menstruation dann religiös-symbolisch gedeutet. Weibliches Leiden – ob Periodenschmerzen oder die Wehen bei der Geburt – galt als göttliche Strafe. Menstruierendes Blut war angeblich:
giftig
konnte Wasser verunreinigen
Pflanzen oder die Ernte verderben
So schrieben es religiöse Gelehrte.
Man(n) stellte sich vor: ein Garten voller Frühlingsblumen in strahlenden Farben – Narzissen, Tulpen, Nelken. Und dann kommt eine Frau am ersten Zyklustag daher und bringt sie alle zum Verwelken.
Welche Frau wollte schon schuld daran sein, dass an den Bäumen keine Äpfel mehr wachsen? Dass die Ernte verdirbt, wenn sie während ihrer Periode Gemüse vom Acker holt? Und womöglich noch als Sünderin gebrandmarkt werden – im schlimmsten Fall auf dem Scheiterhaufen landen?
Da hätte ich vermutlich auch die Zähne zusammengebissen und so getan, als wäre alles ganz normal.
Viel änderte sich mit der Entstehung der modernen Gynäkologie im 19. Jahrhundert nicht. Periodenschmerzen galten weiterhin als Teil der weiblichen „Natur“, erklärt Elinor Cleghorn in ihrem Buch Die kranke Frau. Man sprach nun medizinisch statt religiös darüber. Trotzdem: Schmerzen gehörten zum Frausein. Wer wegen Periodenschmerzen oder anderen Leiden weinte, galt als „hysterisch“. Schuld war die Gebärmutter, von der man in früheren Jahrhunderten sogar glaubte, sie könne im Körper umherwandern.
Und somit wurden Periodenschmerzen über Jahrhunderte:
Bagatellisiert
Relativiert
tabuisiert
Genau das ist ein Grund, warum noch heute so viele glauben, dass Periodenschmerzen normal sind. Betroffene von Endometriose, eine Krankheit die extrem starke Periodenschmerzen verursacht, warten übrigens im Schnitt zwischen 7 und 10 Jahre bis zu einer Diagnose der Krankheit. Die Normalisierung von Periodenschmerzen ist ein Grund dafür. Ich arbeite mit vielen Endometriose-Betroffenen in meinen Einzelcoachings und Yogakursen – fast alle haben im Laufe ihrer Diagnose irgendwann einmal diesen Satz gehört: „Periodenschmerzen? Das ist doch normal. Da musst du durch.“
Fakt 2: Diese Schmerzskala hilft Periodenschmerzen richtig einzuordnen
Es ist wichtig, dass die Intensität von Periodenschmerzen richtig eingeordnet wird, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Aber kennst du das: Du sitzt im Arztgespräch und weißt plötzlich nicht mehr genau, wie schlimm es wirklich war? Eine Schmerzskala hilft nicht nur dir zwischen „noch im Rahmen“ und „nicht mehr normal“ zu unterscheiden, es ist auch ein wertvolles Tool als Vorbereitung bei deiner Gynäkologin.
Laut AOK leiden fast 70 % der Frauen in Deutschland an Periodenschmerzen. Das ist zwar die Mehrheit – aber Häufigkeit bedeutet nicht automatisch Normalität. Leichte Beschwerden können vorkommen, doch stärkere Schmerzen sind keine Lappalien.
Wenn du dich also fragst: Wann sind Periodenschmerzen normal und wann nicht, dann hilft es, deine Schmerzen über drei Monate hinweg auf einer Schmerzskala einzuordnen. Die Numerische Rating-Skala (NRS) von 0 bis 10 ist in der Medizin etabliert und wird auch in Studien verwendet.
So gehst du vor:
Notiere an jedem Tag deiner Menstruation den Grad der Schmerzen von 0 – 10.
Wenn du eine Tabellarische Vorlage brauchst, lade dir hier meinen kostenlosen Periodenschmerz- und Beschwerdetracker herunter.
Nach mindestens 3 Monaten: Druck die Tabelle aus oder nimm sie digital mit zu deinem nächsten Gynäkologie Termin.
Jetzt hast du deine Beschwerden schwarz auf weiß – und aus meiner Erfahrung werden Gespräche dadurch deutlich klarer und effizienter.
Zur Orientierung: Werte bei 1, 2 oder 3 an ein bis zwei Tagen der Periode können noch als “im Rahmen” gelten, müssen aber nicht. Der Grad der Schmerzen steht nicht unmittelbar im Zusammenhang mit eventuellen Krankheiten wie Endometriose. Es gibt Endometriose Betroffene, die gar keine Schmerzen haben. Nur eine medizinische Diagnose gibt Auskunft.
Fakt 3: Bei diesen Anzeichen solltest du ärztlichen Rat suchen
Periodenschmerzen und andere Beschwerden solltest du ernst nehmen. Wenn deine Periode dich regelmäßig außer Gefecht setzt, ist das kein „normaler Zyklus“, sondern kann ein Warnsignal sein.
Bestimmte Beschwerden solltest du medizinisch abklären lassen – auch dann, wenn dir vielleicht schon einmal gesagt wurde:
Das gehöre eben dazu
Stell dich nicht so an
Periodenschmerzen sind normal, hat doch jede
Diese Sätze sind völlig unakzeptabel und gefährlich.
Bei folgenden typische Alarmzeichen solltest du auf jeden Fall in die gynäkologische Praxis:
regelmäßige und lang anhaltende Schmerzen über 4 auf der Schmerzskala
starke Krämpfe
Schwindel
Übelkeit oder Erbrechen
ausgeprägte Erschöpfung
Arbeitsunfähigkeit
Schmerzen, bei denen du kaum noch laufen kannst
Das hat nichts mit einem leichten Ziehen im Unterbauch zu tun. Wenn dein Kreislauf schlappmacht oder du dich vor Schmerz krümmst, reagiert dein Körper auf eine Belastung, die ernst genommen werden darf.
Ein möglicher Grund sind erhöhte Prostaglandine. Diese Botenstoffe sorgen während der Menstruation dafür, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht oder kontrahiert, um die Schleimhaut abzustoßen, die sich jeden Monat neu aufbaut. Sind sie stark erhöht, werden die Kontraktionen intensiver, die Durchblutung kurzfristig reduziert – und der Schmerz verstärkt sich deutlich. Auch Übelkeit oder Kreislaufprobleme können damit zusammenhängen.
Doch manchmal steckt mehr dahinter.
Erkrankungen wie:
Endometriose
Adenomyose
Myome
Zysten
können starke, wiederkehrende Schmerzen verursachen, die über das hinausgehen, was als leichte Beschwerden gilt. Gerade Endometriose bleibt oft über Jahre unerkannt, weil Schmerzen immer wieder bagatellisiert werden und die Krankheit nicht einfach im Ultraschall zu sehen ist.
Wenn dein Alltag regelmäßig eingeschränkt ist, verdient das eine sorgfältige medizinische Abklärung.
FAQ zu Periodenschmerzen
1. Sind Periodenschmerzen normal?
Viele Menschen müssen sich anhören: Periodenschmerzen sind normal. Tatsächlich kommen Schmerzen während der Periode zwar häufig vor, doch starke oder regelmäßig wiederkehrende Schmerzen sind NICHT normal, sollten ernst genommen und medizinisch abgeklärt werden.
2. Warum glauben viele, dass starke Periodenschmerzen normal sind?
Über lange Zeit wurden Menstruationsschmerzen verharmlost oder tabuisiert. Historische Vorstellungen über den weiblichen Körper und gesellschaftliche Mythen haben dazu beigetragen, dass Schmerzen während der Periode oft als etwas dargestellt werden, das man einfach hinnehmen müsse.
3. Wie häufig sind Periodenschmerzen?
Laut AOK leiden fast 70 % der Frauen in Deutschland an Periodenschmerzen. Das ist zwar die Mehrheit – aber Häufigkeit bedeutet nicht automatisch Normalität.
4. Woran können starke Periodenschmerzen liegen?
Schmerzen entstehen unter anderem durch Botenstoffe, die Kontraktionen der Gebärmutter auslösen. In manchen Fällen können auch Erkrankungen wie Endometriose, Adenomyose, Myome oder Zysten hinter besonders starken Schmerzen und anderen Beschwerden stecken.
5. Wann sollte man Periodenschmerzen ärztlich abklären lassen?
Wenn die Schmerzen sehr stark sind, regelmäßig auftreten oder den Alltag deutlich einschränken, ist es sinnvoll, sie medizinisch abklären zu lassen. Das gilt besonders, wenn zusätzliche Beschwerden auftreten.